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Praxisbericht:

Teamspirit in Wuxi und Neuss

Eine deutsche Schülerin und ein chinesischer Schüler sitzen im Freien an einem Tisch vor einer Schale mit Orangen
Neuss Wuxi

Auszubildende entdecken gemeinsam(e) Zukunftsperspektiven – Sigrid Thomas vom Berufskolleg Neuss über das China-Engagement an ihrer Schule.

An welcher Schule arbeiten Sie?

Ich unterrichte am Berufskolleg für Wirtschaft und Informatik des Rhein-Kreises Neuss. Fast 2.500 Schülerinnen und Schüler besuchen täglich das Wirtschaftsgymnasium, die Höhere Handelsschule, die Handelsschule oder abends die Fachschule für Wirtschaft. In der Berufsschule werden medizinische Fachangestellte, aber auch Auszubildende in den Bereichen Industrie, Büro, Einzelhandel und Steuern auf das Berufsleben vorbereitet.

Seit wann gibt es den Chinaaustausch und wie kam er zustande?

Seit 2007 organisieren wir jährlich Begegnungen mit der Berufsschule für Maschinenbau und Elektronik in Wuxi: Die chinesischen Schülerinnen und Schüler kommen im Herbst zu uns und wir besuchen sie in der Regel vor den Osterferien. 2020 konnte der Austausch aufgrund der Coronapandemie leider nicht stattfinden, wir planen aber schon die nächsten (virtuellen) Begegnungen.

Der Kontakt basiert auf der Zusammenarbeit der Stadt Wuxi und des Rhein-Kreises Neuss. Schon 2001 begannen die Schulen mit der Planung. In der Anfangszeit führte das Berufskolleg mit externer Unterstützung auch Programme mit weiteren Schulen in Südchina durch. Seit 2007 konzentrieren wir uns aber auf einen möglichst intensiven Austausch mit einer einzigen Partnerschule. Da ich Sinologie studiert habe, übernehmen meine Kolleginnen und Kollegen und ich die Organisation seitdem auch selbst.

Wir schlossen 2004 einen Vertrag (Letter of Intent), der die Gruppengröße, den Programmrahmen und die Dauer der gegenseitigen Besuche festlegt. Zudem stellen wir jeden Austausch unter ein Projektthema, um eine konstruktive Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Gemeinsames Lernen gehört dazu

Wer nimmt am Austausch teil?

Anfangs richtete sich das Angebot nur an Fachabiturientinnen und Fachabiturienten unserer „Asienklasse“, doch schon bald öffneten wir das Angebot für interessierte Schülerinnen und Schüler aus allen Bildungsgängen unseres Berufskollegs. Vorrang haben aktuell die Auszubildenden der Industrieschnellläuferklasse, die am Unterricht „Interkulturelle Kommunikation/Chinesisch“ teilnehmen und die Auszubildenden, die sich auf die Prüfungen der IHK-Zusatzqualifikation “Asienkaufmann/frau“ vorbereiten.

Die Gruppengröße begrenzen wir auf 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und zwei Lehrkräfte, um einen intensiven persönlichen Austausch und konkrete gemeinsame Projektarbeit zu ermöglichen.

Eine Schülerin steht vor einem Sportstadion in Peking
Fotostrecke: Eindrücke vom Austausch

Wie lang dauert die Reise und wohin geht sie?

Die Reise dauert zwei Wochen. Die chinesischen Schüler und Schülerinnen können während der Schulzeit nicht länger vom Unterricht beurlaubt werden und auch die meisten unserer Auszubildenden können sich nicht länger Urlaub nehmen oder freigestellt werden.

Zuerst geht es für vier Tage nach Peking und dann mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach Wuxi. Dort nehmen wir für eine Woche am Unterricht teil und arbeiten mit den chinesischen Partnerinnen und Partnern gemeinsam an unserem Projektthema weiter. Auf dem Heimweg bleiben wir für zwei bis drei Tage in Shanghai und treten von dort aus den Rückflug nach Deutschland an. Auch in den beiden Großstädten ist das Programm an den Projektthemen orientiert, so besuchen wir die IHK und führen Betriebsbesichtigungen sowie Recherchen oder Interviews durch. 

Die chinesischen Schülerinnen und Schüler wohnen während ihres gesamten Aufenthalts in Deutschland bei ihren Gastfamilien, sie nehmen am Unterricht teil und wir unternehmen projektorientierte Exkursionen in umliegende Städte.

Die Aktivitäten vor Ort orientieren sich immer an dem übergeordneten Projektthema. Dafür wählen wir bewusst Themen von wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Bedeutung, wie etwa „Online-Shopping“, „Industrie 4.0“, „Auto-Mobilität“, „Umwelt“, „Gesunde Ernährung“ oder „Motivation in Sport, Schule und Beruf“. Zum Thema „Sport“ besuchten die Auszubildenden zum Beispiel das Büro von Borussia Mönchengladbach in Shanghai sowie das Vereinsstadion in Deutschland und trafen dort auch die Geschäftsführung. Bei Bayer Leverkusen erhielt die Gruppe Einblicke ins Sportbusiness und Sportmanagement. Sie recherchierten, wie in beiden Ländern Sport getrieben wird, besuchten Vereine und sprachen mit Vertretern des Kreissportbundes. In China nahmen wir an Sportveranstaltungen teil und führten Interviews.

Während dieser gemeinsamen Projektarbeit entsteht oft schon die Idee für das Thema des nächsten Austauschs, das wir dann im Anschluss mit den chinesischen Kollegen und Kolleginnen gemeinsam ausarbeiten.

Viele Schüler:innen berichten uns, dass dieser Austausch der ausschlaggebende Impuls für ihre internationale Orientierung in Studium und Beruf war.

Wie wird die Reise finanziert?

Unsere Auszubildenden übernehmen den Großteil der Reisekosten selbst. Dies ist bei der Reiseplanung und Unterbringung natürlich zu berücksichtigen. Dank der Förderung des Pädagogischen Austauschdiensts, des Mercator Schulpartnerschaftsfonds und des Rhein-Kreises Neuss als Schulträger konnten wir neben der Reise nach Shanghai und Wuxi in den vergangenen Jahren auch einen Aufenthalt in Peking ermöglichen, was die Teilnehmenden als große Bereicherung empfinden. Diese Institutionen unterstützen uns auch bei der Finanzierung des Aufenthalts der chinesischen Gäste in Deutschland.

Was hat der Austausch gebracht?

Einige Austauschpartnerinnen und Austauschpartner bleiben viele Jahre miteinander in Kontakt und besuchen einander. Manche arbeiten in Firmen mit Chinakontakten, eine Schülerin war jahrelang für ihr Unternehmen als Chefeinkäuferin in China unterwegs. Andere studieren Sinologie oder halten sich im Rahmen ihres BWL- oder Managementstudiums in China, Taiwan, Japan oder Korea auf. Viele berichten uns, dass die Reise nach China und die Begegnungen in Deutschland der ausschlaggebende Impuls für diese internationale Orientierung in Studium und Beruf waren.  

Je nach Projektthema unterscheiden sich auch die konkreten Ergebnisse des Austauschs. Zum Thema Umwelt nahmen wir beispielsweise einen Umwelt-Rap als Video auf.

Inzwischen bieten wir parallel zur Ausbildung auch die IHK-Zusatzqualifikation Asienkaufmann/Asienkauffrau an. Die Auszubildenden erwerben Wissen, um Unternehmen bei der Anbahnung und Durchführung von Chinageschäften sowie bei der erfolgreichen Positionierung von Produkten auf asiatischen Märkten zu unterstützen. Im Rahmen der Zusatzqualifikation begleiten wir die Auszubildenden bei der Organisation von Praktika in asiatischen Unternehmen und der Organisation von berufsbezogenen Auslandsaufenthalten.

Möchten Sie uns von den China-bezogenen Aktivitäten Ihrer Schule oder Ihren Austauscherfahrungen erzählen? Kontaktieren Sie uns!

Fotos: Berufskolleg Neuss/S. Thomas

Ansprechpartner:in

Bettina Böhm, Referentin für Schulförderung