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问题和解答

Erfahrungsbericht:

Begegnung mit China – bereits in der Grundschule ein Gewinn

Berlin Beijing

Jens Otte, Schulleiter der Bruno-H.-Bürgel-Grundschule in Berlin-Lichtenrade, stellt den lebendigen Schulaustausch vor, der seit 19 Jahren mit der Wanquan-Grundschule in Beijing besteht.

Welche China-bezogenen Aktivitäten gibt es an Ihrer Schule?

Viele! Chinesisch ist die zweite Fremdsprache an der Bruno-H.-Bürgel-Grundschule. In den Jahrgangsstufen 3. und 4. als Arbeitsgemeinschaft, in den Jahrgangsstufen 5. und 6. als Schwerpunktstunde. Wir feiern mit den deutschen Schüler:innen alle chinesischen Feiertage mit. Vor oder nach dem chinesischen Neujahrsfest, Chunjie, gibt es einen ganzen „Chinatag“ an der gesamten Schule mit externen Angeboten wie Wushu, Kalligraphie, Jiaozi kochen, chinesischen Filmen, chinesischer Musik, chinesischem Tanz, chinesischer Mode und mehr. Außerdem fand projektbezogener Schüleraustausch bis zur Pandemie in jedem Jahr nach Beijing und Berlin statt.

Eine Partnerschaft zwischen einer deutschen und einer chinesischen Grundschule ist sehr selten. Seit wann gibt es den Chinaaustausch und wie kam er zustande?

Eine deutsche Kollegin hatte in der VR China gelebt und nach ihrer Rückkehr nach Berlin den Austausch angeregt. Meine Vorgängerin und die chinesische Schulleitung waren begeistert. Die Senatskanzlei Berlin und die chinesischen Behörden haben dies von Anfang an gefördert. 2002, also vor 19 Jahren gab es den Startschuss. Die Bedingungen in den ersten Besuchsjahren muten heute abenteuerlich an; die Mühe und viele Arbeit hat sich aber auf beiden Seiten sehr gelohnt!

Wie läuft der Chinaaustausch üblicherweise ab und welche Themen werden behandelt?

Im Laufe der 19 Jahre gelebter Schulpartnerschaft haben wir den Schüler:innenaustausch zu unterschiedlichen Jahreszeiten stattfinden lassen (müssen). Seit 2014 ist der Monat Mai die etablierte Reisezeit. Üblicherweise werden mit den Gastschüler:innen in Beijing oder in Berlin schon bei der Evaluation des endenden Projekts die möglichen Projektthemen für den nächsten Schüleraustausch besprochen. Dann werden im Laufe des Jahres bis zum nächsten Mai Infoveranstaltungen durchgeführt. Die interessierten Schüler:innen müssen sich schriftlich bewerben. Es findet mit allen Bewerber:innen ein strukturiertes Auswahlgespräch statt und es ergehen Bewilligungs- und Ablehnungsbescheide.

Die Wunschthemen der chinesischen und deutschen Schüler:innen werden geprüft und gemeinsam vorbereitet. Es findet ein erster Elternabend mit den Schüler:innen und begleitenden Lehrkräften zusammen statt. Neben dem ausgewählten Projektthema ist die Kultur des Gastlandes in einem Crashkurs mit Schülervorträgen für die reisenden Schüler:innen vor der Abreise Pflicht.

Wie wird das Projekt finanziert?

Es tragen grundsätzlich die deutschen und chinesischen Eltern jeweils die Reisekosten für ihr Kind in China und Deutschland (Flug, Visum, Reiseversicherung, Gastgeschenke, Taschengeld). Die Kosten vor Ort werden wiederum von der jeweilig besuchten Schule getragen (Unterkunft, alle Mahlzeiten, Transportkosten, Eintrittsgelder etc.)

Fördergelder kommen von der KMK, der SenBJF, dem Förderverein der Schule und etlichen Sponsoren. Ebenso gab es Förderung durch den Schulpartnerschaftsfonds Deutschland – China.

Was hat das Projekt mittel- und langfristig Ihren Schüler:innen und der Entwicklung Ihrer Schule gebracht?

Die Bruno-H.-Bürgel-Grundschule profitiert mittlerweile von einem Alleinstellungsmerkmal in der Schullandschaft durch ihre langjährige, intensive und hierarchiearme Schulpartnerschaft. Der interkulturelle Austausch ist mittlerweile zur Selbstverständlichkeit der Schulgemeinschaft geworden. Das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen der Schüler:innen sowie ihre Selbstreflektion nach dem Schüleraustausch sind jedes Mal immens gestiegen. Bei der Wahl ihrer Oberschule und Berufswünsche spielen internationale Aspekte plötzlich eine größere Rolle bei den Schüler:innen. Das Vertrauen auch der Elternschaft in den Austausch ist groß. Das zeigt sich dadurch, dass z.T. Kinder im Alter von neun Jahren bereits teilgenommen haben.

Warum würden Sie Grundschulen zu einer Beschäftigung mit China raten?

Interkulturelle Kompetenz wird nicht erst plötzlich an der Oberschule oder im Berufsleben erworben. Der Grundstein kann einfach und sehr nachhaltig in der Grundschule gelegt werden und muss dann einfach nur weiter verfolgt werden.

In einer globalisierten Welt sind für viele Schüler:innen Reisen ins europäische Ausland fast schon Normalität. Deswegen sind außereuropäische Begegnung ebenfalls zeitgemäß.  Allerdings muss die Schulgemeinschaft die Schulpartnerschaft unterstützen und mittragen. Die deutschen Organisationsvorstellungen und Planungen werden dabei durchaus auch auf eine harte Probe gestellt; Freude, Flexibilität und Geduld und gute Begleiter bei einem unvergleichlichen Erlebnis.

Ein Besuch in einem Museum mit Musikinstrumenten kann sehr schön sein; ein Musikinstrument zu spielen, ist jedoch unvergleichlich viel schöner und in der Regel eine Entscheidung für das ganze Leben.

Am Ende geht es darum kindliche Neugier, Offenheit und Begeisterungsfähigkeit zu wecken und zu nutzen!

Eindrücke von Austauschprojekten

Fotostrecke: Austauschprojekte
Ansprechpartner:in

Bettina Böhm, Referentin für Schulförderung